Spermidin – der natürliche Jungbrunnen

Was ist Spermidin?

Spermidin wurde in den 70er Jahren das erste Mal im männlichen Samen entdeckt. Deshalb wurde dieser Stoff Spermidin genannt. Spermidin ist ein so genanntes Polyamin, d.h. eine Verbindung aus Aminosäuren. Wissenschaftler aus Graz haben Anfang 2000 herausgefunden, dass Spermidin eine lebensverlängernde Wirkung hat. Spermidin ist sehr eng mit dem Zellwachstum verbunden. Der Spermidingehalt im Organismus erhöht sich bei einer Beschleunigung des Stoffwechsels. Bei einer Verlangsamung des Stoffwechsels lässt die Produktion von Spermidin nach. Wird man älter, sinkt die Konzentration an körpereigenem Spermidin

Natürliche Umstände, die die Menge an körpereigenen Spermidin erhöhen sind Wachstum, Schwangerschaft und die Reparatur von Muskelzellen nach starker sportlicher Anstrengung. Auch die Regenerierung der roten Blutkörperchen nach einem Blutverlust / Blutarmut oder nach längeren Höhenaufenthalten erhöhen die Spermidinkonzentration auf natürliche Weise. Junge Menschen sind voller Energie. Wenn sie krank werden, erholen sie sich auch schnell. Der Grund dafür ist der hohe Spermidingehalt im Körper. Dieser regt die Zellregeneration an.

Spermidin

Spermidin ist eine Verbindung aus Aminosäuren, welche im Körper den Prozess der Zellreinigung auslöst. Durch den Selbstreinigungsprozess der Zellen (Autophagie) ist der Körper gesünder und kann länger leben.

Wie wirkt Spermidin im Körper? 

Spermidin wirkt verstärkend auf die Autophagie. Das heißt, Spermidin löst im Körper den Prozess der Zellreinigung aus. Da die Autophagie lebensverlängernd auf den Körper wirkt, wurde beobachtet, dass eine Ernährung mit hohem Spermidingehalt, mindestens 80 µmol (Mikromol) Spermidin pro Tag das Leben verlängert. Natürlich ist hier nicht ausschließlich das Spermidin dafür verantwortlich. Es liegt ebenfalls daran, dass die Nahrungsmittel die reich an Spermidin sind, auch sonst sehr gesunde Nahrungsmittel sind und daher auch andere wichtige Nährstoffe liefern. Eine spermidinarme Ernährung wären weniger als 60 µmol (Mikromol) Spermidin pro Tag. Wenn Sie viel verarbeitetes Fleisch zu sich nehmen wie Wurst, wird die Autophagie gehemmt. Konzentrieren Sie sich aber auf eine pflanzenreiche Ernährung mit hohem Spermidingehalt, leben Sie gesünder und länger, da Sie den Spermidingehalt im Körper steigern bzw. dem sinkenden Spermidingehalt während des Alterungsprozesses entgegenwirken.

Was ist die Autophagie?

Autophagie ist der Selbstreinigungsprozess der Zellen. Die Zelle schafft es alte oder schadhafte Zellbestandteile zu verwerten und abzubauen. Das ist deshalb so gut, weil diese Bestandteile der Zelle sonst auch gefährlich werden können. Durch dieses Recycling ist die Zelle danach aufgeräumt und wirkt jünger. Der ganze Körper wird durch den Prozess der Autophagie verjüngt. Der Körper ist dadurch gesünder und kann länger leben. Je höher der Spermidingehalt ist, umso schneller und effizienter findet der Prozess der Autophagie statt. Desto schneller können sich die Zellen regenerieren. 

Wie werden Zellen beschädigt?

Es gibt verschiedene Situationen im Alltag, wo unsere Zellen beschädigt werden. Der häufigste Grund für Zellschädigungen liegt in den freien Radikalen. Diese entstehen im Körper überwiegend bei einem ungesunden Lebensstil wie ungesundes Essen und wenig Bewegung. Unsere Körperzellen haben jedoch die Fähigkeit, diese Beschädigungen durch freie Radikale zu erkennen und zu neutralisieren. Sie tun dies, indem sie die beschädigten Teile der Zelle separieren. So kann sich diese Beschädigung nicht weiterverbreiten. Diese schadhaften Teile der Zelle sind quasi Müll. Mit der Zeit sammelt sich dieser Müll im Körper an. Der Müllberg kann für eine Belastung der gesamten Zelle werden. Der Alterungsprozess schreitet voran bzw. gesundheitliche Probleme vermehren sich.

Welcher Lebensstil beschleunigt das Altern?

Der Alterungsprozess beim Menschen kann durch viele Faktoren beschleunigt werden:

  • Ungesunde Ernährung: Stark verarbeitete Nahrungsmittel mit viel Fett  und Zucker. Sie sorgen zwar für viel Energie, diese ist aber von geringer Qualität. In den Zellen und Organen entstehen unnötige Beschädigungen. 2. Mangelnde Bewegung: Zu wenig Bewegung und viel sitzen verändern den Stoffwechsel in unserem Körper. Energie wird gespeichert statt verbrannt.
  • Dauerhaftes, hohes Stressniveau, egal ob zu Hause oder/und im Berufsleben: Andauernder Stress über einen langen Zeitraum führt zu einer Überbeanspruchung der Organe und des Immunsystems. Der Körper kann Zellschädigungen nicht mehr so gut beseitigen. Er hat auch nicht genug Kraft, neuen Beschädigungen vorzubeugen. 
  • Schlafmangel: Wird dem Körper der Schlaf genommen, kann er den täglichen Stress nicht mehr in der Nacht verarbeiten. Die Folge ist eine Überlastung des Gesamtsystems. Außerdem sinkt die Widerstandsfähigkeit gegen Stress. Der gesamte Körper wird dadurch geschwächt.
  • Zigaretten und Alkohol: Der übermäßige Konsum von Zigaretten und/oder Alkohol schädigt durch hohe Anteile von freien Radikalen die Körperzellen von innen heraus.
  • Falsches oder fehlendes Fasten: Keine oder zu unregelmäßige Fastenintervalle reduzieren den Autophagie Prozess. Dadurch können Zellen nicht umfassend erneuert werden.

Was ist Fasten? Wirkung des Fastens?

Beim Fasten werden dem Körper von außen keine Nährstoffe zugeführt. Man verzichtet kontrolliert auf das Essen über mind. 14 bis 20 Stunden oder auch länger. Je nachdem ob man im Intervall fastet oder eine Fastenzeit von einigen Tagen einlegt. Ohne Nährstoffe muss die Körperzelle auf ihre eigenen Ressourcen zurückgreifen. So wird beim Fasten die Autophagie ausgelöst. Der Körper fängt an, sich zu reinigen. Wichtig dabei ist regelmäßiges Fasten bzw. sich zu informieren, wie man eine Fastenkur macht.

Ersetzt die Zufuhr von Spermidin das Fasten?

Spermidin hat die Eigenschaft, eine Kalorienrestriktion nachzuahmen. Dadurch wird die Autophagie, also die Zellreinigung ausgelöst. Deshalb kann man sagen, dass Spermidin so ähnlich wirkt, wie es Fasten oder eine geringe Kalorienaufnahme tun. Das heißt, wenn Sie den Prozess der Autophagie im Körper ankurbeln möchten, gibt es mehrere Möglichkeiten. 

  • Spermidinreiche Nahrung, 
  • Nahrungsmittelergänzung mit Spermidinkapseln bzw. 
  • Fasten. 

Natürlich kann man diese Möglichkeiten auch kombinieren. 

Wo ist Spermidin enthalten?

Spermidin kommt in allen lebenden Organismen vor, in uns Menschen, in allen Tieren, in allen Pflanzen und somit auch in allen Lebensmitteln. Spermidin kommt in jeder Zelle vor. Körpereigenes Spermidin wird beispielsweise von bestimmten Darmbakterien erzeugt.

Welche Lebensmittel enthalten am meisten Spermidin?

Nahrungsmittel mit hohem Spermidingehalt sind (Angaben sind Durchschnittswerte):

  • Weizenkeime (243 mg/kg) und Sojabohnen (128 bis 207 mg/kg).
  • gereifter Käse wie Cheddar (199 mg/kg).
  • Pilze (über 80 mg/kg).
  • Erbsen gekocht (65 mg/kg) und Kichererbsen (28 mg/kg).
  • Reiskleie (51 mg/kg).
  • Hühnerleber (48 mg/kg) und Rinderhackfleisch (71 mg/kg).
  • Mais (20 bis 40 mg/kg).
  • Karfiol (25 bis 30 mg/kg) und Brokkoli (30 bis 40 mg/kg).
  • Senf (34 mg/kg).
  • Mango (30 mg/kg).

In welchem Käse ist Spermidin enthalten?

Eine hohe Konzentration an Spermidin ist grundsätzlich bei lang gereiftem Käse zu finden. Dazu zählen die Käsesorten Cheddar, Brie und Parmesan. 

In welchen Nüssen ist viel Spermidin?

Bei Nüssen enthalten Haselnüsse (20 mg/kg) eine nennenswerte Dosis Spermidin.

Wie viel Spermidin soll ein Mensch pro Tag zu sich nehmen?

Studien zeigen, dass die Menschen im Durchschnitt zwischen 7 und 15 mg Spermidin pro Tag über die Nahrung aufnehmen. Bei einer spermidinarmen Ernährung sinkt der Spermidinspiegel im Blut im Alter deutlich. Bei einer spermidinreichen Ernährung kann auch beim Älterwerden ein höherer Level davon gehalten werden.

Sind Nebenwirkungen von Spermidin bekannt?

Nach aktuellem Stand sind durch die Aufnahme von Spermidin keine Nebenwirkungen bekannt. Alle Versuche und Studien die bisher durchgeführt wurden, zeigten die volle Toleranz dieses natürlichen Bestandteils durch den Körper. Der Grund könnte darin liegen, dass unser Körper selbst auch Spermidin produziert, um schadhafte Körperzellen ganz natürlich zu reparieren.

Spermidin: Studien und Forschungsergebnisse

Spermidin kommt in relativ geringer Menge in jeder Körperzelle vor. Das Spermidin treibt in der Zelle die Autophagie, also das Recycling innerhalb der Zelle an. 

Studie von Bruneck in Südtirol zu Lebensstil und Gesundheit, Dauer 20 Jahre, 1995 – 2015

Beim Menschen sind ähnliche Wirkungen beobachtet worden. Das ergab die genaue Auswertung der Bruneck Studie im August 2018. Bei dieser wurden Lebensstil und Gesundheitszustand von 829 Menschen einer Gemeinde in Südtirol zwischen 45 und 84 Jahre alt (Männeranteil 49 Prozent) protokolliert. Alle 5 Jahre wurden die Teilnehmer der Studie zu ihrer Ernährung befragt. Bei der Auswertung nach 20 Jahren hat ein internationales Forscherteam herausgefunden, dass Menschen, die dem Körper viel Spermidin zuführen, um etwa fünf bis sieben Jahre länger Leben als Menschen, die sich spermidinarm ernähren. In diesem 20jährigen Beobachtungszeitraum starben 341 der Personen. 40,5 % der Verstorbenen nahmen nur wenig Spermidin zu sich. 24 % der verstorbenen Personen lagen im durchschnittlichen Wert der Spermidinaufnahme über die Nahrung. Nur 15 % der Personen starben, die einen hohen Spermidingehalt in der Ernährung verzeichneten.

Man kam zu dem Schluss, dass eine spermidinreiche Ernährung vor Gefäßerkrankungen schützt. Auch beobachtete man, dass bei Darmerkrankungen Spermidin eine sehr positive Wirkung hat. Ebenso auf Erkrankungen des Nervensystems, so auch bei Demenz. Spermidin hat auch eine geringe positive Auswirkung bei der Entstehung von Tumoren. Bei der Auswertung der Lebensmittelfragebögen wurde erkannt, dass beim Menschen ein hoher Spermidingehalt mit einem verringerten Blutdruck und einem geringen Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen einhergeht. Bei dieser Studie waren Forscher der Medizinischen Universität und der Universität Innsbruck unter Stefan Kiechl, Neurologe und Epidemiologe der Med. Universität Innsbruck, in Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus Bruneck und Forschern in Graz, London und Paris beteiligt. 

Eine ähnliche Studie über die Dauer von 12 Jahren hat es in Salzburg gegeben, wo über 1000 Personen beobachtet wurden. Die Ergebnisse waren jenen der Bruneck Studie sehr ähnlich.

Forschung von Frank Madeo, Molekularbiologe an der Karl-Franzens-Universität Graz

Die Wirkung auf die Autophagie hat Frank Madeo mit seinem Forscherteam vor einigen Jahren an Hefezellen entdeckt. Die lebensverlängernde Wirkung von Zellen konnten die Forscher zuerst an den Hefezellen, dann an Fruchtfliegen beweisen. Bei den Fruchtfliegen konnte die Gabe von Spermidin den Alterungsprozess von Nervenzellen stark verlangsamen. Bei Mäusen wurde ebenfalls eine Wirkung verzeichnet. Füttert man Mäuse mit Spermidin, leben sie deutlich länger und ihre Herzgefäße bleiben elastischer. Sie zeigen weniger Schädigungen die altersbedingt verursacht werden. Spermidin verbesserte die Entspannungs- und Füllungsphase der Herzkammern. Bei den Versuchen wurde auch eine schützende Wirkung auf die Nierenfunktion beobachtet. 

Darauf folgten weltweit die unterschiedlichsten Versuche in Labors mit Spermidin:

  • Japan: Es wurde gezeigt, dass Spermidin gegen Entzündungen im Alter wirkt. Der chronische Entzündungsgrad im Blut, der das Alter sehr gut reflektiert, wurde bei Mäusen mit Spermidin deutlich gesenkt. 
  • Italien: Es wurde ebenfalls an Mäusen nachgewiesen, dass Spermidin in der Lage ist, die Auswirkungen einer genetischen Muskelerkrankung heilen kann. 
  • USA: In den USA wurden Erfolge bei der Behandlung der frontotemporalen Demenz  erzielt. Dabei ist ein Bündel von Nervenzellen im Stirnhirn unterentwickelt. Spermidin konnte hier die Stammzellen zur Reparatur anregen.
  • England: Alte Organismen können nicht mehr so gut geimpft werden, weil ihr Immunsystem nicht mehr so stark ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich dabei um einen alten Menschen oder eine alte Maus handelt. Ein Grund dafür ist die geringere Anzahl der T-Zellen.T-Lymphozyten (T-Zellen) sind Abwehrzellen des Immunsystems. In England wurde bei alten Mäusen durch die Gabe von Spermidin die Autophagie ausgelöst. Die T-Zellen gingen daraufhin wieder an zu wachsen. Das Resultat: Die alten Mäuse wurden wieder impfbar.
Quelle: Madeo F, Eisenberg T, Pietrocola F, Kroemer G. Spermidine in health and disease. Science. 2018

Smart Age Studie, Charité Berlin, Freie Universität Berlin, Medizinische Hochschule Hannover Start 2015 – 2020

Altersforscher haben Nahrungsinhaltsstoffe – sogenannte Polyamine – identifiziert, die Selbstreinigungsprozesse in den Gehirnzellen anregen. Dadurch könnten sie vor neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson schützen. Die bisherigen Erkenntnisse lassen vermuten, dass Polyamine, insbesondere das Spermidin, sich positiv auf die Gehirnfunktion und somit auch auf die geistigen Fähigkeiten der Menschen auswirken. Die Teilnehmer dieser Studie untersuchen altersbedingte Einschränkungen der Gedächtnisfunktionen. Dabei soll die Möglichkeit erforscht werden, ob und wie man durch Nahrungsergänzungsmittel die Entwicklung dieser Einschränkungen des Gedächtnis beeinflussen kann. Polyamine sind bestimmte Moleküle, die für Zellen einerseits zum Überleben und andererseits zum Wachsen gebraucht werden. Bei den Probanden der Smart-Age Studie der Berliner Charité handelte es sich um Personen, die zwar nicht an Alzheimer litten, aber deren Gedächtnisleistung sich in den letzten Jahren deutlich verschlechterte. Bereits in einem ersten Testlauf konnte ein Einfluss auf die Gedächtnisleistung festgestellt werden.

Nach einer 3-monatigen Einnahme von Spermidin-Kapseln als Nahrungsergänzung zeigte sich,  dass sich die Gedächtnisleistung der Probanden subjektiv verbessert hatte. Das Spermidin wurde von den Personen sehr gut vertragen. Es wurde aus Weizenkeimen gewonnen. Derzeit laufen diesbezüglich noch weiterführende Studien an der Charité, die den Einfluss von Spermidin auf Lernen, Gedächtnis und die Gehirnstruktur genauer untersuchen.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie

Spermidin in der regenerativen Medizin

Brandwunden sind sehr schlimme Verletzungen, die ein Mensch erleiden kann. Der Hauptgrund dafür ist das Nachbrennen. Nach der direkten Hitzeeinwirkung wird die Wunde meist noch schlimmer. Nicht nur die obersten betroffenen Hautschichten sind verletzt. Beim Nachbrennen erstreckt sich die Verletzung in tiefere Hautschichten. So forschen beispielsweise Forscher der Medizinischen Universität Graz daran, mit Spermidin den Vorgang des Nachbrennens aufzuhalten. Bei der Gabe von Spermidin wurde ein Schutzeffekt für die Haut entdeckt. So könnte künftig Spermidin zur Linderung von Verbrennungsfolgen eingesetzt werden. Die Forscher könnten sich in Zukunft therapeutische Anwendungen auf die Haut wie Cremes aber auch prophylaktische Gaben durch Einnahme bevor es zu einer möglichen Schädigung kommt, vorstellen. 

Quelle: Med. Uni Graz, Univ.-Prof. Dr. Lars-Peter Kamolz, MSc

Hilft die Autophagie gegen den Corona Virus?

Die ersten Ergebnisse einer aktuellen Charité-Studie rund um den Virologen Prof. Dr. Christian Drosten zeigten, dass Spermidin in der Lage ist, die Vermehrung des SARS-CoV-2-Virus deutlich einzudämmen. Die Forscher beobachteten eine entscheidende Veränderung beim Zellstoffwechsel durch das Virus. Sie erkannten, dass das Virus die Autophagie, also den Abbau von alten und schädlichen Zellbestandteilen und von Krankheitserregern innerhalb der Zelle hemmt. Die Konzentration an Spermidin in mit dem neuartigen Corona Virus infizierten Zellkulturen war stark reduziert. Im Labor konnten die Forscher mit Hilfe von Spermidin den Autophagieprozess aktivieren und auf diese Weise die Vermehrungsrate des neuartigen Corona Virus um 85 % senken. Selbst wenn gesunder Zellen mit Spermidin behandelt wurden, war das Viruswachstum um 70 % vermindert. Weitere Studien zu diesen ersten Ergebnissen müssen aber noch folgen.

Im Jahr 2012 trat der MERS-Coronavirus auf. Bereits bei diesem konnten Forscher des Charité zeigen, dass durch das Virus die Autophagie stark gehemmt wird. Auf diese Weise kann sich das Virus besser reproduzieren. Genau dieser Nachweis gelang jetzt auch Virologe Dr. Drosten und seinem Forscherteam abermals für SARS-CoV-2. Aus Sicht der Wissenschaft rücken deshalb Substanzen die den Prozess der Autophagie ankurbeln vermehrt in den Fokus, um Viren wie das aktuelle Corona Virus zu bekämpfen. Der größte Hoffnungsträger ist dabei das Spermidin, da es bis heute die einzige natürliche und körpereigene Substanz ist, die die Zellreinigung auslösen kann.

Details zum Labor-Experiment:

Mit dem Corona Virus infizierte Zellkulturen wurden behandelt mit:

  • dem Bandwurmmittel Niclosamid 
  • einem Wirkstoff gegen Brustkrebs, MK-2206 und
  • Spermidin.

Diese drei Substanzen sind in der Lage die Autophagie anzuregen. Die Vermehrungsrate des neuartigen Coronavirus wurde um:

  • 99% beim Bandwurmmittel
  • 88 % beim Brustkrebsmittel und
  • 85 % durch Spermidin

gesenkt. Man behandelte auch gesunde Zellen mit Sermidin und Niclosamid. Danach infizierten die Forscher diese Zellen mit SARS-CoV-2 . Das Viruswachstum war bei beiden Substanzen um 70% vermindert. 

Die Forscher betonten aber, dass diese Erkenntnisse bisher nur auf bioRxiv veröffentlicht wurden und noch nicht durch unabhängige Fachleute geprüft wurden.